Hans Traxler verstorben

Am 24. August verstarb der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main.

Hans Traxler (* 21. Mai 1929 in Herrlich/Böhmen) war Mitbegründer der Satiremagazine Pardon und Titanic. Er war Mitglied der Künstlergruppe »Neue Frankfurter Schule«, unter deren Einfluss sich das Komikverständnis in Deutschland grundlegend veränderte. Beispielhaft für Traxlers Schaffen in den 1960er Jahren ist die 1963 erschienene Wissenschaftsparodie »Die Wahrheit über Hänsel und Gretel«. 1982 machten seine Zeichnungen zusammen mit den Texten von Pit Knorr Bundeskanzler Helmut Kohl zur »Birne«. Seit 2007 steht das von ihm entworfene ICH-Denkmal unter dem Motto »Jeder Mensch ist einzigartig.« auf dem Brüder-Grimm Platz. Traxler hinterließ ein umfangreiches Werk an Cartoons, Bildgedichten, Illustrationen und Kinderbüchern.

Die satirische Karriere Traxlers, in der sich sein literarisches wie zeichnerisches Talent entfaltete, begann in den 1960er Jahren. Zu seinen frühesten und bekanntesten Werken gehört die Wissenschaftsparodie »Die Wahrheit über Hänsel und Gretel« (1963). Unter dem Pseudonym Georg Ossegg berichtet er darin über die angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchen-Hexenhauses; inklusive Lageplan, Schichtenprofilen und Fundpräsentation. Unzählige Leser erkannten die Parodie nicht und stürmten erfolglos den Spessart, um anhand der Pläne von Georg Ossegg die Fundstelle zu besuchen – was Traxler eine Ermittlung wegen Betrugs einbrachte. Das Buch erlebte unzählige Auflagen, einschließlich einer japanischen Ausgabe. 1987 wurde das Werk mit Jean Pierre Léaud, Romy Haag und Alfred Edel verfilmt.

1962 war Hans Traxler Mitgründer von Pardon. Das Magazin präsentierte Satire, Politik, Philosophie, später auch Kunst auf hohem komischem Niveau. Das Blatt wurde zum Forum nahezu aller Künstler und Intellektueller, die die »68er«-Jahre prägten. Differenzen mit Herausgeber Hans A. Nikel führten in den 1970er Jahren dazu, dass sich Traxler gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der »Neuen Frankfurter Schule« von dem Magazin trennte. 1979 gründete die Gruppe die Titanic und schuf sich damit ein Hausmagazin.

Die späten 1970er und die 1980er Jahre waren für Traxler ungemein produktive Jahre. Neben Titanic arbeitete er für das Zeit-Magazin, für die Magazine der FAZ, der SZ und andere. Viele seiner Bildgeschichten und Bildgedichte sind hier zum ersten Mal publiziert worden. Die Anzeigen prominenter Persönlichkeiten wegen Beleidigung musste er in Kauf nehmen. 1982 erschien »Birne – das Buch zum Kanzler« mit den Texten von Pit Knorr.  Als einer der ersten deutschen Cartoonisten schaffte er es mit »Aus dem Leben der Gummibärchen« von 1992 auf den amerikanischen Cartoonmarkt.

Vom schnellen Tagesgeschäft zurückgezogen, blieb Hans Traxler als Autor und Illustrator in den letzten Jahren umso kreativer. 2024 erschien »Wie die Malerei verschwand. Eine Kunstgeschichte«, eine satirisch realistische Abrechnung mit dem Kunst- und Lehrbetrieb. 2025 folgten »Eine Ode an den Ammersee«, eine humorvoll pointierte Hommage an seinen Lieblingssee und »Die Bildergedichte«, mit Klassikern und vielen neuen Bilderserien des Künstlers sowie eine Neuauflage von Mark Twains »Bummel durch Europa« mit Illustrationen Traxlers.

Bis zuletzt blieb das Zeichnen seine Passion. Auf die Frage: »Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?« antwortete Traxler: »Ein gutgemalter transparenter Schlagschatten«.

Hans Traxler, 1929 Herrlich in Böhmen geboren, geriet 1945 nach Regensburg. Dort begann er, nach einer intensiven ersten Studienzeit bei Max Geyer, seine Laufbahn als Illustrator und verkaufte seine erste satirische Zeichnung bereits mit 17 Jahren an eine Münchner Illustrierte. 1951 ging er auf den Rat eines Freundes nach Frankfurt am Main, das ihm zur Wahlheimat wurde. Er studierte an der Frankfurter Städelschule Malerei bei Georg Meistermann. 1962 war er Mitgründer von Pardon, 1979 von Titanic.

Seine Bibliographie umfasst knapp 50 eigene Bücher und fast 30 Buchillustrationen anderer Autoren, von Schiller und Heine bis Morgenstern und Ringelnatz, von Mark Twain bis Tucholsky. Seine Kinderbücher wurden in viele Sprachen übersetzt, vom Baskischen bis ins Koreanische.

Neben dem »Göttinger Elch« (2006) und dem »Deutschen Karikaturenpreis« (2007) als Auszeichnung für sein Lebenswerk, wurde er unter anderem mit dem »Ludwig-Emil-Grimm-Preis« der Stadt Hanau (2012), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2014), dem »Wilhelm-Busch-Preis« (2015), dem »Sondermann-Preis für Komische Kunst« (2017), dem »Friedrich-Stoltze-Preis« (2018) und dem »Prix Livrentête« (2021) geehrt. Der künstlerische Nachlass von Hans Traxler befindet sich im Caricatura Museum in Frankfurt und umfasst 3.700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen.

Foto: Britta Frenz

Zum Inhalt springen