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SOMMERAKADEMIE FÜR KOMISCHE KUNST 2013 - Workshop-Tagebuch

Samstag

An ihrem Anreisetag zeigt sich Kassel seinen künstlerischen Gästen von der besten Seite: Nach einem erfrischenden Regen werden die nach und nach eintrudelnden Workshopteilnehmer von einer glutartigen Hitze empfangen. Als alle eingetroffen sind, werden sie in die hauseigene Bar gebeten, wo Til Mette seinen ersten Auftritt als Chef des diesjährigen Workshops hat - und diesen Titel sofort dementiert. In seiner so ergreifenden wie humorvollen Ansprache schwört er die Teilnehmer auf das diesjährige Thema ein: Cartoons. Und fordert sie stimmgewaltig auf, hemmungslos zu zeichnen und dabei vor dem ökologischen Gewissen keinen Halt zu machen: "Sparsamkeit bei Papier könnt ihr vergessen!" So klingt der Tag in lockeren Gruppen und freudiger Erwartung, unter freiem Himmel vor der Caricatura Bar aus.

Sonntag

Am ersten Arbeitstag des Workshops hat der Leiter Til Mette erst einmal eine "Warm-up"-Übung parat: Die Teilnehmer sollen ein Bild von einer Frau mit akademischem Hintergrund und einem Hund auf einem Sprungbrett zeichnen. Dieser Schritt zur Erringung der Weltherrschaft der Komischen Kunst wird vom Hessischen Rundfunk dokumentiert, der Til Mette bei der - gemeinsam mit Spannung verfolgten - Ausstrahlung zum "King des Cartoon" krönt. Seine Untertanen hält der König mit humor- und gehaltvollen Analysen ihrer Werke bei guter Laune. Auch die Ergebnisse der Aufgabe des Nachmittags, "Nimm Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen: Der Papst und seine Rede", wird mit großem Interesse bearbeitet und diskutiert. Danach endet der Tag mit individuellem Fleiß oder in gemütlichen Runden.

Montag

Am Montagvormittag gibt sich die erste Tagesreferentin des diesjährigen Sommerakademie-Workshops die Ehre: Isabel Lott, Fotoredakteurin bei der taz. Sie redet über Cartoons und Karikaturen in der taz im Allgemeinen und das Verhältnis zwischen Zeichnern und Zeitung. Im Anschluss zeigt sie einige Beispiele von Karikaturen, die in der taz abgedruckt wurden und Diskussionen hervorriefen.

Am Nachmittag stellt der Workshop-Leiter Til Mette eine neue Ausgabe: Es gilt, sich zeichnerisch zu einem aktuellen Thema zu positionieren. Nach der Besprechung der hierzu entstandenen Arbeiten folgt die mittlerweile liebgewonnene Tradition des Weiterzeichnens bei Kaltgetränken.

Dienstag

Am Dienstag übernimmt der Cartoonist und Titanic-Redakteur Stephan Rürup das Regiment bei der Sommerakademie für Komische Kunst. Er referiert über Titanic im Allgemeinen und Cartoons im Satiremagazin im Besonderen. Und auch er hat den arbeitswilligen Teilnehmern eine Aufgabe mitgebracht, die für rauchende Köpfe sorgt: In Kleingruppen sollen im Laufe des Tages eigene Satiremagazine produziert werden. Und tatsächlich zieren am Ende des Tages deren vier die Workshopergebnisparade. Nach der Verabschiedung von Stephan Rürup finden die Sommerakademisten nun völlig zu Recht, dass sie sich das ein oder andere Bier verdient haben. So endet auch der Dienstag bei gemütlichen Plaudereien auf der galerieeigenen Terrasse.

Mittwoch

Am Mittwochvormittag stattet der in Kassel lebende Gerhard Glück der Sommerakademie für Komische Kunst einen Überraschungsbesuch ab. Danach erhellt Bernd Gieseking die Teilnehmer bezüglich ihrer Doppelposition als Zeichner und Autor. Er zeigt einige Beispiele zum Verhältnis von Wort und Bild in Cartoons und treibt die Sommerakademisten mit einigen kurzen Aufgaben zu Höchstleistungen an. Unter anderem sollen Gedichte geschrieben und danach bebildert  und Cartoons zum Thema Bundesliga unter besonderer Berücksichtigung der Textpositionierung gezeichnet werden. Am Abend trifft Dieter Schwalm vom Lappan Verlag ein, um schon einmal ein wenig Sommerakademie-Luft zu schnuppern und sich auf seinen Vortrag am Folgetag vorzubereiten. Die Teilnehmer wiederum nutzen die Gelegenheit, um sich mit ihren Fragen auf ihn zu stürzen – natürlich wie gewohnt bei mehr oder weniger alkoholischen Kaltgetränken.

Donnerstag

Am Donnerstag ist viel los bei der Sommerakademie für Komische Kunst. Gleich zwei Tagesreferenten warten mit noch mehr Informationen für die geschundenen Teilnehmer-Hirne auf. Während Dieter Schwalm vom Lappan Verlag zuerst über das Verhältnis zwischen Zeichner und Verlag und Rechtsgrundlagen des Verlagsgeschäfts referiert, taucht dann auch noch Ecki Kühn vom Postkartenvertrieb modern times auf. Der Nachmittag ist dann ganz in der Hand von Peter Butschkow. Er erzählt zuerst Grundsätzliches zum Thema Cartoon und steht dann den Teilnehmern, die mit Hochdruck an der Fertigstellung begonnener Blätter arbeiten, mit Rat und Tat zur Seite. Am Abend wird es wieder gesellig.

Freitag

Am Freitag bricht Torschlusspanik aus bei den Teilnehmern der Sommerakademie für Komische Kunst. Bis zum Nachmittag müssen alle Arbeiten fertiggestellt werden. Der Workshopleiter Til Mette gibt zusätzlich noch eine weitere Aufgabe. In einem Cartoon sollen Situationen dargestellt werden, in denen Humor besonders hilfreich ist. Am Nachmittag wird die dem kreativen Chaos anheimgefallene Caricatura Galerie aufgeräumt. Vor der feierlichen Urkundenverleihung berichtet Thomas Kleinebenne, seines Zeichens Jugendfreund Til Mettes und Mitarbeiter der Kasseler Thalia-Filiale, vom Umgang mit und Stand von Cartoonbüchern im Buchhandel. Am Abend wird gegrillt und getrunken. Wohl letzteres führt schließlich dazu, dass die Sommerakademisten um Til Mette nächtens mit Straßenkreide den Hinterhof des sanierungsgebeutelten KulturBahnhofs verschönern.